App-Yoga: Üben mit iPhone neben der Matte

Das Smartphone ist kein Guru, hat im Leben des modernen Yoga aber doch seinen festen Platz erobert. So bietet der App Store auf dem iPhone zum Suchbegriff „Yoga“ derzeit 2200 Apps an. Sie reichen von angeleiteten Klassen über Yogaanatomie und Yogamusik zum Entspannen bis hin zu „Barbie Yoga“. Yogamour veröffentlichte kürzlich eine Anfänger-App, Patrick Broome das App „Yoga für alle“. Wir haben sie ausprobiert.

Jede Zeit fordert ihre eigenen Rahmenbedingungen fürs Yogaüben. Zu Zeiten der Hatha Yoga Pradipika war es ein sauberer Raum mit gestampftem Boden und ohne Insekten; 2013 besteht der „saubere Raum“ eigentlich darin, ein Moment lang offline zu sein, um zu sich zu kommen. Das ist also die schwierigste und wichtigste Regel dieser neuen Übungskultur: Nicht nochmal schnell auf der Yogamatte E-Mails checken, bevor man die Yoga-App startet. Sonst ist die Ruhe gleich wieder dahin.

"Basic Vinyasa Yoga" für Anfänger mit Bärbel Miessner

Mit Smartphone zu üben wird offenbar zunehmend normal, im Hotelzimmer auf Geschäftsreisen beispielsweise. Apps haben allerdings den Vorteil, dass man sich an das Thema Yoga erst einmal unverbindlich herantastet. So erklärt Bärbel Miessner, die seit Jahren unter dem Namen Yogamour kurze, kostenlose Yogavideos veröffentlicht, in ihrer App „Anfänger Yoga Kurs“ die Grundlagen in kurzen Videos. Die kann man mit Kopfhörer auch einmal auf der Zugfahrt oder in der Boarding Area erst einmal anschauen. Die Anleitungen sind so gesprochen, dass man sich dann beim einem zweiten Versuch (im Hotelzimmer zum Beispiel) das Smartphone  neben die Matte legen und die Sequenzen mitüben kann, ohne gleichzeitig die Filme anschauen zu müssen. Die Stimme ist ruhig und sympathisch, der Stil ein klassischer Vinyasa Flow, 40 Minuten Übungen, 20 Minuten Atemtechnik, Meditation und Entspannung für 2,99 Euro im iTunes.

Foto Bärbel Miessner Yogamour

"Yoga für Alle" mit Patrick Broome

Auch Patrick Broome, beliebter Yogalehrer aus München und Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hat seit Ende September eine App für iPhone und iPad auf dem Markt. Er demonstriert Yoga-Grundlagen, Atmung, Asanas (Körperhaltungen) anhand von Videos, Bildern und Texten. Obwohl er in Deutschland eigentlich die Jivamukti-Schule der New Yorker Sharon Gannon und David Life vertritt, hat Patrick Broome bei „Yoga für Alle“ für Übungssequenzen in der Tradition des Krishnamacharya entschieden. So wurden sie im selbst vom Yogalehrenden Mark Whitwell gelehrt. Dafür werden die Mechanismen der Anatomie genutzt, um den Atem zu bewegen und insgesamt wirkt das Yogaprogramm klar, sanft und ruhig.  

Die App hat eine angenehme und intuitive Bedienbarkeit und zeichnet sich durch ein reduziertes aber ansprechendes Design aus. Ein Menü leitet durch die Auswahl: In „Schritt für Schritt“ sind alle Informationen zu Übungsgrundlagen und -programm, Übungsfolgen, Vinyasas und Asanas textlich und mit statischen Bildern dargestelltstellt. Die einzelne Übungen gliedern die Yogapraxis nach verschiedenen Phasen und Schwerpunkten wie Vorbereitung (Segen und Gesang, Atmung), Aufwärmen, Erden und Kraft, Umkehr, Energie und Entspannung. Die Übungsfolgen bieten vier ganzheitliche Yogaprogramme, die in Länge, Schwerpunkt und Schwierigkeitsgrad variieren. Zusätzlich gibt es eigene Videos zur Atemarbeit, Entspannung und Meditation. Aus dem Gesamtangebot kann man – in gewohnter App-Manier – schnell und einfach selbst Yogaprogramme nach Zeitbudget und Interesse zusammenstellen.

Die Übungen können wahlweise mit oder ohne musikalische Untermalung abgespielt und mit Apple AirPlay auch direkt auf den Fernseher übertragen werden. Letzteres sicherlich das rundere Ambiente wenn man z.B. Anspruch an den Klang und Sichtbarkeit hat. Musikhören auf dem iPhone klappt ja in der Regel deshalb gut, weil man Kopfhörer nutzt. Für die App-Yogastunde ist das aber nicht so praktikabel und somit legt man das iPhone neben die Yogamatte. Irgendwie blieb es für uns gewöhnungsbedürftig, wenn „die kleine Quelle“ neben der Yogamatte spricht.

Beim Yoga mit App sind wir alle Anfänger. Bei stehenden Übungen ist nicht mehr so viel auf dem Display zu erkennen. Und während der Yogapraxis immer wieder mit einem elektromagnetischen Gerät rumzuspielen, stört manchmal die Konzentration. Und darum sollte es in der Yogapraxis ja gehen. Empfehlenswert sind deshalb Apps, die auch nur durch ihre Stimme funktionieren. So wie die Videos zu Atempraxis, Entspannung und Meditation, durch die Patricks ruhige Stimme leitet. 

Mit einem Preis von 4,49 Euro ist die App im Vergleich zu anderen Yoga-Apps wie etwa von Ursula Karven im oberen Preissegment – aber immer noch günstiger als eine Yoga-DVD. „Yoga für Alle“ ist im großen Ganzen ein gut aufbereitetes und vielfältiges Yogaangebot, das sich besonders für Yogis und Yoginis eignet, die auf der Suche nach einem kraftvollen, aber achtsam angeitetem Yoga sind. 

Die App für iPhone® und iPad® ist seit dem 26. September 2013 im iTunes App Store erhältlich.