Wenn Yogalehrer haften müssen

Yoga tut gut, keine Frage. Trotzdem können beim Üben Unfälle passieren, für die ein Yogalehrer Verantwortung übernehmen muss – auch in finanzieller Hinsicht. Dafür gibt es Berufshaftpflichtversicherungen. Yogaservice.de erklärt, wie Yogalehrende die richtige für sich finden.

Es gibt sie noch, die Versicherungsmakler, die wenn das Wort „Yoga“ fällt, zwei Schrecksekunden lang versteinert und mit faltiger Stirn schweigen und dann nachfragen: „Yoga?“ Die können zwar auch eine Haftpflichtversicherung für Yogalehrer besorgen. Aber das ist dann meist das Paket für „Fitnesstrainer“ oder „Sportlehrer“. Sind die Makler freundlich, denken sie sich auch in die Bedürfnisse des Yogalehrenden ein und machen sich auf die Suche nach dem richtigen Angebot. Aber prinzipiell sind sich Assekuranz und Yogawelt in den vergangenen Jahren nur wenig näher gekommen. Die Zahlen des Bundes der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) sprechen für sich: „Von den etwa 3.500 Mitgliedern des BDY sind etwa 1.100 über den BDY versichert“, sagt Versicherungsmakler Markus Malik. „Der Rest woanders oder ... vielleicht auch nirgendwo.“

Der BDY will in diesen Tagen die Rahmenvereinbarung für die Berufshaftpflichtversicherung erneuern. Je mehr der Yogaunterricht zum richtigen Beruf wird, desto wichtiger und komplexer ist dieses Thema. Viele Studios setzen unversicherte Lehrerende gar nicht erst auf den Kursplan. Im Ernstfall fühlt sich weder die private Haftpflichtversicherung noch die Berufshaftpflichtversicherung zuständig, die jemand für die Risiken in seinem Hauptberuf abschließt, der nur nebenberuflich Yoga unterrichtet.

Auf der Suche nach der richtigen Versicherung fällt auf, dass unter Yogaprofis eher Empfehlungen für unabhängige Makler kursieren als für Versicherungen. Das hat einen einfachen Grund: Hier hat man mit einem Menschen statt mit dem Callcenter eines Konzerns zu tun, und dieser Mensch kennt sich auf einem Markt aus, mit dem man sich nicht beschäftigen mag. Außerdem kostet der Versicherungsabschluss beim Makler genauso viel wie der direkte Abschluss bei der Versicherung. Manche Makler können bei den Versicherungen sogar günstigere Angebote aushandeln als ein Versicherungsnehmer.

Etwa 50 bis 60 Versicherungen bieten in Deutschland Berufshaftpflichtversicherungen für Yogalehrende an, schätzt Markus Malik. Die Spanne zwischen den günstigsten und höchsten Beiträgen reicht von 72 bis 380 Euro netto pro Jahr. Eine konventionelle, alteingesessene Einrichtung die Radtke Versicherungsagentur in Berlin bietet bei dreijähriger Vertragsbindung eine Versicherung für „Fitnesstrainer“, zu denen sie die Yogalehrende zählt, mit 5 Millionen Euro Deckungssume für rund 125 Euro im Jahr brutto an. Das Büro „Friedels Fairsicherungen“, das zum bundesweiten Netzwerk der „Fairsicherungsläden“ gehört, vermittelt „Fitness- und Aerobictrainer“ einen Jahresvertrag für zu rund 126 Euro netto bei 2 Millionen Euro Deckungssumme. „Brutto“ und „netto“ beziehen sich auf die sogenannte Versicherungssteuer. Die ist so hoch wie die Mehrwertsteuer, kann aber nicht steuerlich abgesetzt werden.

 


Begrüßungssspruch auf der Startseite von Friedels Fairsicherungsbüro (Berlin).


Neben den Allround-Maklern, die mit Yoga eher selten in Kontakt kommen, gibt es auch ein paar Spezialisten. Sie verstehen das Wort „Krähe“, wenn der Yogalehrende berichtet, wie der Schüler aufs Gesicht fiel – und dabei leider eine Brille trug... Sie erkundigen sich ungerührt, ob es sich dabei um ein Kind oder einen Erwachsenen handelte. Von einem Erwachsenen darf man nämlich erwarten, dass er bei diesem Asana die Brille selbständig absetzt. Bei einem Kind dagegen ist der Lehrende schuld, seine Versicherung muss zahlen.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) legt fest, dass der Yogalehrende haftet, wenn er einen Personen- oder Sachschaden verursacht hat. Auch wenn die Intentionen des Lehrenden gut sind, gilt eine nicht wahrgenommene Aufsichtspflicht als fahrlässig. Zum Beispiel wenn er einen Schüler den Kopfstand alleine üben lässt, obwohl dieser vorher sagt, er habe diese Übung erst ein einziges Mal gemacht und sei noch unsicher. Die Schadenssummen, die eine Halswirbelverletzung verursacht, können durch jahrelange Behandlung, Verdienstausfall und dergleichen in der Tat astronomische Höhen erreichen. Die gewählte Versicherung sollte eine hohe Deckungssumme bei Personenschäden aufweisen, drei Millionen Euro sind ein guter Anhaltspunkt.

Die Haftpflicht können Studio und Yogalehrende übrigens auch nicht per Unterschrift des Schülers vor der ersten Stunde unter einen entsprechenden Zettel ausschließen. „Über diese Schreiben können Rechtsanwälte nur schmunzeln“, sagt Malik. „Das wäre so, als würden Sie ein Schild in Ihre Windschutzscheibe hängen, auf dem steht: Auch wenn ich bei Rot über die Ampel fahre, bin ich an einem Unfall nie schuld.“ Natürlich müssen Schüler selbst haften, wenn sie den Anweisungen des Lehrenden nicht folgen. Oder behaupten, den Kopfstand zu beherrschen, und sich dann verletzen. Aber das ist ein anderes Thema.

Markus Malik findet man in den einschlägigen Internetforen ebenso leicht wie René Marquardt. Malik versicherte die Familie Bretz schon, bevor Sukadev Bretz seine erste Yogaschule in Frankfurt eröffnete. Er handelte dann Rahmenverträge für die Vereine Yoga Vidya e.V. und den BDY aus, deren Mitglieder Sonderbedingungen bei ihm erhalten. Nichtmitglieder bekommen bei Malik eine Berufshaftpflicht mit integrierter privater Haftpflichtversicherung ab 84 Euro netto im Jahr.

René Marquardt praktiziert begeistert Yoga und absolvierte kürzlich sogar eine Lehrerausbildung (YA). Er vermittelt eine reine Berufshaftpflichtversicherung (ohne private Haftpflichtversicherung) zu rund 85 Euro im Jahr. Von den Kombinationen rät er ab: "Bei der privaten Haftpflicht müssen noch andere Risiken, wie zum Beispiel eine Forderungsausfalldeckung mit abgedeckt sein. Außerdem ist eine weitaus höhere Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro ratsam, da hier auch Sach- und Personenschäden eintreten können, die man mit dem Fahrrad oder als Fußgänger schuldhaft verursacht.“

Auf der Suche nach der richtigen Versicherung empfiehlt René Marquardt auch darauf zu achten, dass Kurse für Kinder oder Schwangere beitragsfrei mit eingeschlossen sind. „Auf jeden Fall sollten im Antrag genaue und detaillierte Angaben gemacht werden, über die Stile, die der Lehrer unterrichtet und welche anderen Tätigkeiten er oder sie noch ausübt“, gemeint sind Massagen oder Lebensberatung etwa. „Dies sollte mitversichert sein, auch wenn es dann ein wenig teurer wird.“

Ob sich die Versicherung buchstäblich auszahlt, zeigt sich erst später. „Im Falle eines Falles kann die Beantwortung der meist tückischen Fragen im Schadensformular schon dazu führen, dass die Versicherung nicht zahlt, weil der Lehrer ein falsches Kreuzchen gesetzt hat“, sagt Marquardt. Dafür sind vertrauenswürdige Makler gut: Sie sollten ihre Kunden sicher um diese bürokratische Klippen herumschiffen. Deshalb darf die Chemie zwischen Yogis und ihren irdischen Versicherungen ruhig stimmen. Wir freuen uns über eure Zusendungen zu Erfahrungen mit Versicherungen und ihren Vertretern. Yogaservice.de wird das Thema weiter begleiten.  

tis

Fotos: Zerbrochenes Brillenglas, © fotalia/Mirko Meier (oben); Bildschirmfoto von Website, © yogaservice (mitte); Zerbrochene Brille, © fotalia/picsfive (unten).

 


Zum Thema

Informationen zu René Marquardt (Kocherbachweg 11, 50374 Erftstadt, Tel. 02235.994 96 36, info [at] marquardtconsulting [dot] de) findet man in seinem Xing-Profil.

Markus J. Malik ist Geschäftsführer der Malik & Häring Assekuranzmakler GmbH (Gutenbergplatz 3, Wiesbaden, Tel. 0611.98 64 70).
Er schreibt auch Beiträge zum Thema Versicherung für Yogalehrer auf Xing.

In einem der Fairsicherungsläden, die es in vielen deutschen Städten gibt, könnte man Sachbearbeiter antreffen,
die Yogalehrende verständnisvoll beraten.

Die im Text erwähnte Radtke Versicherungsagentur befindet sich in der Soorstraße 17, 14050 Berlin, Tel. 030.30 09 98 20.