Vipassana

Vipassana, ein Wort aus der klassisch-buddhistischen Gelehrtensprache Pali, bedeutet wörtlich Klarsicht oder Auseinander-Sehen und meint das Durchschauen von Illusion, die – ähnlich wie in der Yogaphilosophie – für das Leiden (Duhkha) verantwortlich gemacht wird. Es bezeichnet die Achtsamkeitsmeditation in der Tradition des historischen Buddha.

Neben dem japanischen Zen und dem tibetischen Buddhismus gilt Vipassana heute als drittgrößte buddhistische Strömung im Westen. Sie beruft sich auf die ursprüngliche Lehre des historischen Buddha, Siddhartha Gautama, der im 6. und 5. vorchristlichen Jahrhundert in Indien lebte, und dessen Reden im Pali-Kanon überliefert sind. Vipassana wurde in Indien viele Jahrhunderte durch den Islam und andere, scholastische buddhistische Schulen verdrängt, lebte allerdings im 18. Jahrhundert in Birma wieder auf, das bis heute als Hochburg gilt.

Dem Selbstverständnis nach ist Vipassana keine Religion. Im Zentrum steht eine Praxis der Einsicht. Psychologen wenden sie als Achtsamkeits-Meditation gegen Stress an, es gibt Weiterentwicklungen wie die Mindful based Stress-Reduktion (MBSR) oder den Body-Scan mit Körperübungen aus dem Hatha-Yoga. Unter den verschiedenen Ansätzen innerhalb der traditionellen Vipassana-Bewegung gründete der Birmese Satya Narayan Goenka (Jahrgang 1924) die bekannteste Schule. Der ehemalige Unternehmer litt unter starken Migräneanfällen und fand Heilung durch die Meditationen bei Sayagyi U Ba Khin, bei dem er 14 Jahre in die Lehre ging.

Der klassische Einstieg in die Vipassana-Meditation in Goenkas Tradition ist ein zehntägiges Retreat. Auch hierzulande bieten die zu dem weltweiten Netzwerk gehörigen Meditationszentren diese Meditationskurse an. Für Einsteiger sind sie gratis – sie werden durch die Spenden fortgeschrittener Schüler finanziert.

Zum Thema

Weiterführende Literatur:
Eckard Wolz-Gottwald, Yoga-Philosophie-Atlas
William Hart, Die Kunst des Lebens. Vipassana-Meditation nach S.N. Goenka

Internetseite der Vipassana Organisation Dhamma

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