So war es beim Yoga Festival in Indien

In der „Yoga-Hauptstadt der Welt“ Rishikesh, am Fuße des Himalaya und direkt am Ganges, fand zum 11. Mal das International Yoga Festival statt. Yogalehrerin Gabriela Bozic war dabei. Hier ihr Bericht über magische Momente, das Parmath Niketan Ashram und die Aufreger zwischen Traditionalisten und westlichen Yogis.

Um die 400 Yogis aus 35 Ländern kamen zusammen. Manche zum ersten Mal, manche schon zum fünften Mal, manche auf Selbstsuche, manche aus Neugier, manche um ihre Yoga-Praxis zu vertiefen, manche weil sie den Parmarth Niketan Ashram so hübsch fanden und gehört haben, dass es dort warmes Wasser zum Duschen gibt. Es war auch für jeden etwas dabei – das Angebot an Yoga-Klassen reichte von Iyengar-, Vinyasa-, Jivamukti-, Bhakti-, Nada- Yoga, Reiki über den inspirierenden Vorträgen der hochgeachteten Gelehrten Indiens wie Swami Dayananda, Swami Veda Bharati und Shri Shankaracharya oder dem amerikanischen Ayurveda und Astrologie Experten David Frawley bis zum bunten kulturellen Programm und Satsang abends.

Es unterrichteten dieses Mal fast 30 Lehrer aus der ganzen Welt. Unter ihnen im Westen bekannte Namen wie Gurmukh oder Shiva Rea aus den USA, aus Europa Roberto Milletti und meine Wenigkeit. Die Bhakti-Flagge hielten dieses Mal Satyaa & Pari, Daphe Tse sowie Momo Loudy hoch.

Die feierlich in Szene gesetzte abendliche Lichtzeremonie „Ganga- Aarti“ war wie immer das Herzstück des Festivals. Die rauchige und rührende Stimme vom spirituellen Leiter des Ashrams Swami Chidananda wurde über riesengrosse Lautsprecher bis auf die andere Seite Ganges getragen. Lautsprecher sind in Indien zeitgenössische Spiritualitätsträger und Statussymbole der Ashrams. Jeder der denkt, Indien oder Ashram sei ein Rückzugsort, wird über die Lautstärke und Lärm Indiens oder Ashrams überrascht sein.

Sadhvi Bhagawati, die rechte Hand des Ashram-Leiters hat das Festival sehr gut durchdacht und organisiert. Die gebürtige Amerikanerin und Absolventin des berühmten Stanford College´s in Kalifornien brachte den amerikanischen Spirit und Enthusiasmus in den Ashram. Traditionalisten regen sich über solchen Einfluss natürlich auf. Dennoch gibt es klare Vorteile einer guten Organisation und des spirituellen Aktivismus, der Indern nicht so liegt. Die Reise nach Indien führt nämlich in der Tat zu den tief magischen Orten, deren Energie seit Jahrtausenden die Seelen der Suchenden nährt – aber sie führt auch zu Bergen von Müll, Gestank, nervenden Bettlern, Korruption und unbedachtem atomarem Wettrüsten. Sie führt zum Ursprung des menschlichen kulturellen Erbe und zu einem Land voller religiöser Gewalt, Verletzung der Menschenrechte und Frauenausbeutung.

Dank Parmarth Niketan Ashram gibt es Projekte wie „Clean the Ganga“ oder „Free Ganga“, die die Verschmutzung und Staudämme auf der Ganga stoppen wollen. Der Ashram gibt etwa 70 Waisenkindern ein Zuhause und eine Ausbildung, was der sicherste Weg aus der Armut ist. Der Ashram baut eigenes Bio-Obst und -Gemüse an und schafft für die Dorfleute Arbeitsplätze. Hier begann auch das „Yoga Aid Challenge“-Projekt, eine Charity-Organisation, die schon über eine Million Dollar für verschiedene Hilfsprojekte mit ihren Yoga-Events gesammelt hat. Dieses Jahr unterrichteten im Rahmen von Yoga Aid Challenge zwölf Lehrer eine zweistündige Yogaklasse, die Verbindung zwischen Yogapraxis und spirituellen Aktivismus aufzeigen wollte. Shiva Rea hat ihr interessantens „Yoga Energy Activism“-Projekt vorgestellt. Allerdings hat sie auch mit ihren sinnlichen Bewegungen, ihren hübschen LA style low-cut yoga pants und schulterfreien Tops für Aufregung und Beschwerden bei den benachbarten Ashrams und einigen indischen Besuchern gesorgt. Und dass Gurmukh während ihrer Stunde die Schüler ein „Hallelujah“ Lied mitsingen liess, fand Swami Ram aus dem Ashram Trika unangemessen und blasphemisch. Den 102-jährigen Swami Yogananda, der auch auf dem Festival unterrichtete, hat das alles nicht tangiert – er verenkte seinen Körper fröhlich und in alle Richtungen in einer Pyjama-ähnlichen Hose und zeigte wie Yoga gesund und gelenkig machen kann, wünschte sich noch mehr Zuschauer und brüllte wie ein Löwe auf uns. Wie es sich für einen wahren Hatha Yogi gehört.

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Gabriela Bozic