Neue Studie: 2,6 Millionen Deutsche üben Yoga

3,3 Prozent der Bevölkerung, also rund 2,6 Millionen, Deutsche üben Yoga. Das hat jetzt eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des BDY festgestellt. Weitere zwölf Prozent haben es schon einmal probiert, tun es aber nicht mehr. Dafür können sich unter denen, die es bisher noch nicht ausprobiert haben, immerhin 16 Prozent vorstellen, in den kommenden zwölf Monaten mit Yoga zu beginnen. Ein Kommentar

In den Medien las man bisher viele verschiedene Zahlen zum „Milliarden-Dollar-Markt“ mit Yoga. Am häufigsten wiederholt wurde, dass in Deutschland 5 Millionen Menschen Yoga üben würden. Ganz so viele sind es also nun doch nicht – was wir schon ahnten. Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) hat die Fakten genauer untersuchen lassen und die GfK beauftragt, deren Marktstudien als seriös gelten. Deshalb sind diese neuesten Zahlen wohl auch verlässlich. Die Marktforscher befragten für ihre Studie 2000 Personen. 6 Prozent der Frauen und 1 Prozent der Männer unter ihnen praktizieren Yoga.  

Desweiteren komme für jeden fünften Deutschen (rund 15 Prozent) in Betracht, heißt es in der Studie, in den nächsten zwölf Monaten mit Yoga zu beginnen. Also, um genau zu sein: 23 Prozent der Frauen tragen sich mit diesen Überlegungen; unter den Männern sind es nur 7 Prozent, die vielleicht mit Yoga anfangen. Und Yoga wird meist über einen längeren Zeitraum betrieben, im Durchschnitt übten die Befragten 48 Monate. Der BDY will also keine "Modewelle" erkennen. Das lässt sich auch aus den Motiven lesen, die die befragten Yogis selbst nannten. Auf die Frage, warum sie mit Yoga begonnen hätten, stimmten nur 2 Prozent der Antwort zu: „Ist gerade populär“.

Unter den Yogaeinsteigerinnen wird der Wunsch, das körperliche Wohlbefinden zu verbessern, am häufigsten genannt (75 Prozent), bei den Männern dagegen geht es mehrheitlich um das „geistige Wohlbefinden“ – 80 Prozent erhoffen sich durch Yoga zum Beispiel Stressabbau. Ein weiterer Grund für Männer, mit Yoga anzufangen, ist die „Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit“ (78 Prozent) – das ist nur für 45 Prozent der Frauen ausschlaggebend. Dagegen sind die Geschlechter in der Erwartung an Yoga, dadurch die „geistige Leistungsfähigkeit“ zu steigern, ungefähr gleichauf (55 Prozent der Männer, 52 Prozent der Frauen). Ein „persönliches“ Interesse – im Klartext: Spiritualität – rangiert im Vergleich dazu eher unter ferner liefen (11 Prozent der Männer 11, 26 Prozent der Frauen).

Der typische Yogaübende ist Großstädter, hat eine höhere Schulbildung und ist statistisch betrachtet am wahrscheinlichsten Beamter, Selbständiger oder Freiberufler. Außerdem wurde festgestellt, ob die befragten Yoginis und Yogis durch die Praxis Veränderungen an sich wahrgenommen haben. 90 Prozent antworteten mit: Ja! 59 Prozent fühlen sich entspannter, 32 Prozent körperlich fitter, 30 Prozent „wohler“. 11 Prozent haben eine „bessere Atmung“ und sieben Prozent erleben sich als „konzentrierter“. Das liest sich erst einmal wie eine Erfolgsmeldung. Aber beim zweiten Blick ist das eigentlich gar nicht so beeindruckend. Immerhin zehn Prozent fühlen überhaupt keine Veränderung. (Erstaunlich! Warum machen sie dann Yoga?)

Die Studie bringt einges Licht ins Dunkel. Leider wurde aber der kommerzielle Aspekt außen vor gelassen. Und dass, wo doch gerade Mainstream-Medien so gerne das „Milliardengeschäft“ mit Yoga thematisieren (zum Beispiel im Juni 2014 das Berliner Inforadio, im September 2014 das SWR-Fernsehen und kürzlich wurde ich vom Deutschlandradio zum selben Thema interviewt. Aber zum deutschsprachigen Markt gibt es eigentlich auch nach dieser Studie immer noch keine belastbaren Zahlen. 

Das amerikanische Yoga Journal gab jeweils 2008 und 2012 Studien zum US-amerikanischen Markt in Auftrag. In den vier Jahren dazwischen hatte sich die Zahl der Yogaübenden um 29 Prozent erhöht. 20,8 Millionen Amerikaner übten 2012 Yoga. Bei aktuell rund 314 Mio Amerikanern sind das 6,6 Prozent. Umgerechnet auf 80,2 Mio Deutsche wären das rund 5,3 Mio., also mehr als doppelt so viele wie die jüngste BDY-Studie ausweist.

Die Amerikaner gaben 2012 laut dieser Studie 10,3 Milliarden Dollar für Yogaklassen, Ausrüstung, Media und Yogareisen aus. Das heißt: Jeder einzelne gibt rund 495 Dollar/Jahr aus. 495 Dollar sind derzeit 382 Euro. Das ist eigentlich nicht so viel, rund 32 Euro im Monat. Insofern wird klar, dass das „Milliardengeschäft“ für den einzelnen Anbieter doch nicht so lukrativ sein kann. Jedenfalls kenne ich einige Yogalehrer, die eher am Existenzminimum arbeiten oder das Unterrichten lieber als erfüllende berufliche Nebentätigkeit genießen. Die Schätzungen zur Zahl der Lehrenden liegt bei 10 bis 20.000 Hauptberuflern und 100.000 Nebenberuflern.

Zum Marktvolumen in Deutschland gibt es nur Schätzungen, die Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, kürzlich in dem Beitrag von Katja Bigalke für das DeutschlandRadio gewagt hat: „Yoga ist sicher ein Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Wenn vermutlich drei Million regelmäßig Yogastunden nehmen, dann wird der Umsatz etwa zwei bis drei Milliarden Euro in Deutschland sein - allein mit Unterricht. Dann sind es noch mal ein bis zwei Milliarden Euro wenn man alles andere zusammenrechnet: Kissen, Decken, Matten, Kleidung, Retreats, Ausbildungen etc. So vier bis fünf Milliarden Euro wird der Yoga-Markt in Deutschland sein, was ja schon eine ganze Menge ist. Yoga ist vermutlich die viertpopulärste Sportart in Deutschland - nur Fahrradfahren, Wandern, Schwimmen hat mehr Anhänger als Yoga. Dafür wird Yoga zu wenig zur Kenntnis genommen. Es gibt vermutlich keinen anderen Markt, der so groß ist und zu dem es keine richtige Marktstudie zu gibt.“ Es wäre deshalb auch aus meiner Sicht an der Zeit, allein für eine fruchtbare Diskussionen über Kommerzialisierung des Yoga und wirtschaftlich tragfähige Existenzmodelle für Yogaanbieter, eine solide Marktstudie über den deutschen Yogamarkt auf den Weg zu bringen.

tis