Interview: Fünf Fragen an Nicky Knoff

Iyengar oder Ashtanga – für viele schließen sich diese Stile aus. Die 75-jährige Australierin Nicky Knoff beweist das Gegenteil. Begonnen allerdings hat sie bei Bikram Choudhury, als dieser noch als bescheidener Yogi bei Zimmertemperatur übte. Bei ihrem Besuch in Dresden sprach Katrin Knauth für yogaservice.de mit ihr über Yoga, ihre Kindheit im japanischen Konzentrationslager und die Liebe zum Menschen.

Nickys übte intensiv mit B.K.S. Iyengar in Pune (Indien). Ab 1989 lernte sie bei Pattabhi Jois in Mysore (Indien) und setzte die Lehren bis zur vierten Ashtanga-Serie bei Nancy Gilgoff in Haiku (Maui) fort. Meditation erlernte sie direkt bei Vipassana-Gründer S.N. Goenka. Nicky unterrichtet seit 40 Jahren. Sie entwickelte dafür mit ihrem Partner James Bryan das System „Knoff Yoga“ und gründete Yogaschulen in Neuseeland, Australien und den USA (Colorado). 

ys: Wie definierst du Yoga?
Yoga ist ein Lebensweg. Die Leute fragen mich oft, ob ich mein Leben aus der heutigen Sicht anders leben würde. Was die Yogapraxis betrifft, würde ich auf gar keinen Fall irgendetwas verändern. Das hat damit zu tun, dass ich Menschen sehr mag. Yoga ist eine gute Möglichkeit, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Ich kann mich glücklich schätzen, bislang an vielen Orten der Welt unterrichtet zu haben.

ys: Du unterrichtest mit Knoff Yoga ein Yogasystem, das hierzulande eher unbekannt ist. Kannst du dieses System etwas beschreiben?
Unsere Wurzeln liegen im Iyengar- und Ashtanga-Yoga. Knoff Yoga verbindet die korrekte anatomische Ausrichtung aus dem Iyengar-Yoga mit der dynamischen Praxis des Ashtanga-Yoga. Knoff Yoga ist deshalb ein System, weil nichts zufällig unterrichtet wird. Alles baut aufeinander auf. In jeder Stunde unterrichten wir fünf verschieden Segmente: Meditation (5 Prozent), Pranayama (12 Prozent), Asana (66 Prozent), Entspannung (12 Prozent) und Philosophie (5 Prozent). In der Asana-Praxis üben wir je nach Level immer gleich aufgebaute Sequenzen.

ys: Wie sind die Asana-Sequenzen im Knoff Yoga aufgebaut?
Je nach Level werden unterschiedliche Asanas geübt. Insgesamt gibt es neun verschiedene Level: Vom Discovery Level für Anfänger über Schwangeren-Yoga und Yoga-Therapie bis hin zum Master Level für fortgeschrittene Schüler bieten wir Yoga für alle Bedürfnisse an. Auch Stuhl-Yoga haben wir im Repertoire. In jeder Sequenz werden elf Asana-Gruppen in der gleichen Reihenfolge unterrichtet: Sonnengrüße, Umkehrhaltungen (Warm-up), Stehhaltungen, Armbalancen, Vorwärtsbeugen, Haltungen im Sitzen, Bauchübungen, Drehungen, Rückbeugen, Umkehrhaltungen (Cool-down) und Entspannung. Wer regelmäßig übt, kennt den Ablauf. Nichts basiert auf dem Zufall.

Nicky Knoff ©Knoff Yoga
©Knoff Yoga

ys: Du hast sowohl bei K. Patthabi Jois in Mysore als auch bei B.K.S. Iyengar in Pune studiert. Welcher der beiden Lehrer hat dich mehr beeinflusst?
Beide haben mich gleich stark beeinflusst. Ein weiterer Lehrer von mir war Bikram Choudhury. Mit ihm verbrachte ich in Tokio die ersten vier Jahre auf meinem Yogaweg. Und zwar bevor er mit Hot-Yoga berühmt wurde. Er unterrichtete damals einen Yogastil, der sich Ghosh's College of India Yoga nannte. Der Raum war nicht beheizt, wir hatten frische Luft. Bikram war damals ein ganz einfacher Yogi, gerade mal 26 Jahre alt. Mit seinem Weggang nach Amerika hat er sich stark verändert. Bei Bikram startete ich 1970. Ich war 33 Jahre alt und habe seitdem nie mehr aufgehört, Yoga zu praktizieren.

ys: Wie sieht deine eigene Yogapraxis aus?
Nicht gerade beindruckend. Ich bin 75 Jahre alt und habe eine Herzoperation hinter mir. Die Herzprobleme sind auf meine Kindheit im japanischen Konzentrationslager zurückzuführen. Ich war im Alter von drei bis acht Jahren dort. Ich hatte sehr hohes Fieber, viele Kinder starben. Ich übe sehr viel Pranayama und meditiere. Mit meiner Asanapraxis muss ich vorsichtig sein. Vor allem bei Umkehrhaltungen, da stockte mir der Atem.

ys: Inwiefern hat dich deine Yogapraxis transfomiert?
Das fand relativ früh statt. Ich hatte zwei kleine Kinder, als ich mit Yoga begann. Nach sechsmonatiger Yogapraxis besuchte mich meine Mutter in Tokio. Sie war erstaunt über meine Geduld mit den Kindern und fragte mich, woher das kam. Sie hat gleich den Unterschied gemerkt. Ich glaube, das ist das, was Yoga mit uns macht: Wir werden ruhiger, gelassener und friedlicher.

Katrin Knauth

Artikelfoto: © Petra Netuka

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Website von Nicky Knoff „Knoff Yoga School“

Nicky Knoff bildet nicht nur in Australien, sondern auch in Deutschland Yogalehrer aus. Dieses Jahr unterrichtet sie bereits zum vierten Mal eine Yogalehrerausbildung und Workshops bei Power Yoga in Dresden.

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