Die Saison der Yoga Rock Stars beginnt

„Devotional Chanting“, der wörtlich hingebungsvolle Gesang an die Götter, findet auch im Westen ein immer größeres Publikum. Musiker wie Krishna Das, Dave Stringer, Sean Johnson oder Deva Premal und Miten werden schon als „Yoga Rock Stars“ bezeichnet. Viele von ihnen kommen im Mai und Juni nach Deutschland. Anna Dubrovsky schrieb ein lesenswertes Porträt der Szene und ihrer bekanntesten Vertreter, das wir mit freundlicher Genehmigung des amerikanischen Magazins Yoga+ übersetzten. Dazu ein Überblick über die aktuellen Tourtermine.

Es herrscht eine fast raveartige Atmosphäre im Ballraum des Florida Hotels. Aber dieses Zusammentreffen der Gäste und Musiker ist weder eine Party noch eine Show. Es ist eine spirituelle Praxis. Die Teilnehmer der Yoga Conference singen und tanzen Bhakti-Yoga, der Yoga der freudvollen Hingabe an Gott.

Bhakti Yoga ist kein neuer Import. Viele Westler kamen bereits in den 1960er Jahren in diesen Genuss, als kahl rasierte Hare Krishna Anhänger die Bhakti Praxis mit dem Namen „Kirtan“ in die Straßen brachten. Kirtan ist das Singen von Götternamen und persönlichen Eigenschaften, häufig in der Art des sogenannten „call-and-response“-Prinzips. 1969 produzierte Beatles Gitarrist George Harrison eine Aufnahme des Hare Krishna Mantras und präsentierte es erstmals in der in der britischen TV-Sendung „Top of the Pops“. Zur gleichen Zeit kam Harvard-Professor Richard Alpert aus Indien mit einem neuen Namen zurück: Ram Dass. Seine Botschaft war, dass bewusstseinserweiternde Mittel arme Substitute für die göttliche Liebe seien.

In den vergangenen Jahren gab es eine Art Renaissance westlichen Interesses an Bhakti-Yoga und am hingebungsvollen Singen (Chanting). „Kirtan-Freunde“ wie Jai Uttal und Krishna Das (beide Amerikaner) mussten für ihre Auftritte ihre Wohnzimmer gegen große Konzertsäle tauschen. Sie haben in der Yoga Community fast den Status von Rock Stars.

Warum interessieren sich immer mehr Menschen in westlichen Ländern für Bhakti-Yoga? Zum einen: Es ist zugänglich. Jeder kann zu dem göttlichen Sein singen. Die Praxis erfordert kein formales Training. Es erfordert ebenso wenig körperliche Flexibilität. Im Gegensatz zu Methoden wie Asana und Meditation, die eine gewisse Ausdauer erfordern, „kann Singen mit nur einen kleinen positiven Intention unmittelbar erfolgreich sein“, sagt Philosoph und Musiker Shyamdas. Bhakti-Yoga sei der populärste Yogazweig in Indien.

Der „Erfolg“ besteht in einer Erfahrung, die selbst „Langzeit-Chanter“ schwer in Worte ausdrücken können. Kirtan ist herzöffnend, sagen sie, seine Wirkung ein Hochgefühl und mehr. „Ich habe bisher keinen gute Art gefunden, das zu beschreiben, ohne dass die Anderen dachten, ich sei merkwürdig“, erzählt Sharon Smith, Yogalehrerin und pensionierte Projektmanagerin aus Connecticut (USA). „Du musst es ein bisschen fühlen können. Ich denke nicht, dass man mit Worten jemandem den Genuss von Kirtan nahebringen kann. Es ist viszeral, es berührt die „Eingeweide“.

Der Boom an Yoga Studios hat auch viel mit der Akzeptanz von Bhakti-Yoga zu tun. Mehr und mehr Menschen entdecken die Musik über die Yogastunden, die sie besuchen. Sie kaufen Alben und Tickets von zum Beispiel Miten, der sich vom britischen Rocker zum hingebungsvollen Sänger veränderte. Viele Menschen erzähtlen ihm: „Ich beschäftigte mich mit Yoga, hörte deine Musik und kann nicht mehr aufhören, sie zu spielen. Ich spiele sie in meinem Auto. Ich spiele sie meinen Kindern vor. Es schwingt nach und ich weiß nicht warum.“

Aber es sind nicht nur Yogaübende, die sich mitreißen lassen. Nach einer Besprechung von David Newmans Album „Lotus Feed: A Kirtan Revolution“ in dem amerikanischen Musik-Magazin NPR kauften viele Musikliebhaber diese CD, obgleich sie noch nie ein Yogastudio von innen betreten hatten. „Sie erarbeiten sich die Musik“, sagt Newman, dessen spiritueller Name Durga Das ist. Im Gegenzug machen Yogastudiobesitzer die Erfahrung, dass für die Konzerte Menschen in ihre Studios kommen, die sie noch nie vorher gesehen haben. Menschen fühlen sich von der Musik angezogen. Krishna Das wurde von 700 Fans in Buenos Aires begrüßt, nachdem einer seiner Songs „Jaya Bhagavan“ in einem argentischen Film gespielt wurde.

Obgleich in Indien entsprungen und verwurzelt, hat die Musik der modernen „Yoga Rock Stars“ eine unverkennbar westliche Prägung. Unter den Chant-Künstlern finden sich viele Liebhaber von Rock und Jazz, Bluegrass und Reggae, Folk und Weltmusik. „Wir sind mit den Beatles oder dem Blues oder was auch immer aufgewachsen, das beeinflusst deinen Stil“, sagt Shyamdas. Vielleicht modifizieren sie und übertragen sie ein englisches Lied in ein Sanskrit-Setting. Vielleicht tauschen sie die Bassgitarre gegen Tabla-Trommeln aus. Oder sie betten ein Saxophon-Solo ein. Es ist klingt dann anders als in indischen Tempeln, aber das bedeutet nicht, dass es weniger spirituell ist.

 

Termine und Künstler-Portraits

Seit 13. Mai läuft ein mehrtägiges Musikfestival mit nationalen und internationalen Künstlern wie Dave Stringer, Satyaa und Pari und Angelika Schafer bei Yoga-Vidya in Bad-Meinberg. Weitere Informationen 


Krishna Das

Termine:
23. Juni 2010 in München 
25. Juni 2010 in Berlin 
26./27. Juni (Workshops)
29. Juni 2010 in Frankfurt/Main

10. Juli 2010 in Zürich (CH)

Tickets bei yogishop.com, Yoga Is MusicOnline-Shop von Jivamukti Yoga Berlin und spiritual music (CH).

Großes Portrait und Video mit Krishna Das

 

Deva Premal und Miten mit Manose

Termine:
22.-24. Mai 2010 in Baden-Baden
27.+29. Mai 2010 in Nürnberg
01. Juni 2010 in Frankfurt/Main
03.+05. Juni 2010 in Köln
12. Juni 2010 in Hannover
17. Juni 2010 in Berlin

Weitere Informationen zu Zeiten und Preisen bei den Veranstaltern. 

Großes Portrait und Video mit Deva Premal und Miten 

 

Dave Stringer

Termine:
14. Mai 2010 in Bad Meinberg
19./26. Mai und 02./09. Juni in Berlin
SPECIAL: Pro Session lädt der Veranstalter Jivamukti Yoga Berlin bis zu 3 Künstler ein, mit Dave "in front of the crowd" mitzujammen. Bitte Kurzbio sowie Angabe des Instruments und künstlerischen Beitrages an info [at] jivamuktiberlin [dot] de
28. Mai in Hoerbranz (A) 
29. Mai in Basel (CH)
02.-04. Juli in Berlin

Weitere Termine und Reisen

 Portrait und Video-Interview mit Dave Stringer

 

Sean Johnson & The Wild Lotus Band

Termine:
20./21. Mai in Berlin
22./23. Mai in Pullach
24. Mai in Ettlingen
25. Mai in Düsseldorf
26. Mai in Dortmund
29.-30. Mai in Köln 

Portrait und Video mit Sean Johnson  

 

Der Originalartikel erschien in der September/Oktober 2008 Ausgabe des amerikanischen Magazins Yoga+ (Reprinted by permission from Yoga + Joyful Living magazine. © Himalayan Institute). 
Das Artikelfoto zeigt das zentrale Instrument vieler Kirtans: das Harmonium. © www.davestringer.com; Bandfotos: © mit freundlicher Genehmigung der Künstler.