Buchempfehlung: Yoga in India

Es gibt so viele Yogabücher – aber bisher kam kein Autor auf die Idee von Otto Stricker. Er hat zusammen mit Fotograf Coni Hörler unter über 100 Yogaschulen in Indien die besten 24 ausgewählt und in einem schönen Buch dokumentiert. Er bestand darauf, es uns persönlich zu übergeben. Verständlich, denn es ist ein Herzensprojekt – ohne Verlag, dafür aber mit Geleitwort von B.K.S. Iyengar.

33 Ashrams, Yogaschulen und Universitäten haben Otto Stricker, Coni Hörler und die Texterin Imogen Moore auf ihrer dreimonatigen Recherchereise besucht. Diese Vorauswahl stand nach einer aufwendigen Vorrecherche im Internet und der Mund-zu-Mund-Propaganda unter Travellern, westlichen Suchern und Yogis in Indien fest. Otto Stricker lebte fünf Jahre in Indien, er kennt sich also gut aus. Die Yogaschulen, die man guten Gewissens empfehlen könne, beschränkten sich auf gut zwei Dutzend Adressen. „Danach fällt es deutlich ab", sagt Otto. Der sportliche Mittdreißiger hat seinen Doktortitel in Volkswirtschaftslehre gemacht und war, wie er sagt, auf dem besten Weg zur Karriere als Investmentbanker. Allerdings nahm er dann die Ausfahrt Richtung Yoga und fuhr nach Indien. Derzeit übt er täglich seine Asanas und baut das internationale Netzwerk Earth.org mit auf, zu dem neben Projekten wie der Ayurvedafinder und das Verzeichnis der best yoga places worldwide auch das Buch „Yoga in India“ gehören. Daneben widmet er sich seiner Ausbildung als Yogalehrer in Indien, wenn er nicht gerade an einem portugiesischen Surfspot auf die perfekte Welle wartet. Sein Buch ist also das wunderbare Nebenprodukt einer leidenschaftlichen Suche nach dem richtigen Meister an den Wurzeln des Yoga.


Unterricht im Mysore Mandala © Coni Hörler/Yoga in India

Einen Yogareiseführer für Indien fand man bisher nicht, nicht auf englisch und schon gar nicht auf deutsch. Zumindest ist uns keiner bekannt, und uns wird ja vieles mit der Bitte zugetragen, darüber zu berichten. Deshalb baten wir auch schon den Religionswissenschaftler, Yogaphilosoph und Indienkenner Eckard Wolz-Gottwald, uns einen Artikel über das Yogastudium in Indien zu schreiben. Im Anhang seines Yoga-Philosophie-Atlas, führt er einige Adressen auf. Seine Empfehlungen überschneiden sich mit der Zusammenstellung in „Yoga in India“. Zur goldenen Schnittmenge gehört natürlich das „Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute“ von B.K.S. Iyengar. Für eine Klasse bei ihm kommt man nur auf die Warteliste, wenn man schon nachweislich acht Jahre Iyengar-Yoga geübt hat. Wartezeit: zwei bis drei Jahre. Zu den Standards, die jeder kennt, zählen außerdem das Ganga Darhan – Bihar School of Yoga, das Krisnhamacharya Yoga Mandiram von T.K.V. Desikachar in Chennai, die älteste organisierte Yogaschule, the Yoga Institute in Mumbai und das Parmath Niketan in Rishikesh. Das Mekka aller Ashtangis, das Shri K Pattabhi Jois Ashtanga Yoga Institute in Mysore, dagegen fehlt im Yoga-Philosophie-Atlas. Aber dafür gibt es ja seit 2012 die verlässliche Zusammenstellung in „Yoga in India“.


Die Hand von B.K.S. Iyengar. © Coni Hörler/Yoga in India

Vier bis sechs Seiten erhält darin jede Yogaschule. Den meisten Platz nehmen Fotos ein. Die englischen Texte beschreiben kurz, klar und direkt Atmosphäre und Lehrer, ihre Philosophie und ihre Schüler. Es geht um so praktische Fragen, wie Stilrichtung, wie die Klassen organisiert sind, wie früh man aufstehen muss und wie man untergebracht wird. Hier reicht das Spektrum von westlichen Hotelstandard eines Ananda in the Himalayas über Backpacker-Charme mit strengen Ashram-Regeln im Sivananda Yoga Vedanta Dhanwantari Ashram in Südindien bis zur Campus-Atmosphäre des staatlichen Morarji Desai National Institute of Yoga in Neu Delhi. Neben den Texten gibt es zu jedem Ort eine Kurzbeschreibung der Umgebung und eine Übersicht über Kontaktdaten, Klassen, Unterbringung, Essen und Services.


Unterarmstand im Brahmani Yoga, Goa, Indian © Coni Hörler/Yoga in India

Eine Stärke des Buches sind zweifellos die Fotos des Schweizers Coni Hörler, dem eindrucksvolle Porträts der Meister gelangen, neben Aufnahmen von den Klassen und Locations, die viel von der atmosphärischen Dichte der Orte spürbar machen. Insofern bietet „Yoga in India“ nicht nur eine gute Orientierung bei der Überlegung, für einen Workshop, Retreat oder Teacher Training nach Indien zu reisen (und dafür die richtige Schule zu finden). Es macht auch Freude, das Paperback einfach nur durchzublättern und sich von den Bildern inspirieren zu lassen.


R. Sharat Jois, Enkel des Ashtanga-Gründers Sri Pattabhi Jois © Coni Hörler/Yoga in India

Eine Übersichtskarte gleich neben den einführenden „Notes“ der Autoren zeigt, dass sich Yoga in Indien auf drei Regionen konzentriert: In Rishikesh im Norden, am Fuß des Himalaya, empfiehlt das Buch gleich acht Adressen: Phool Chatti, Omkarananda Ashram, Sivananda Ashram, Swami Rada Sadhaka Grama, Parmarth Niketan, Ananda in the Himalayas, Yog-Ganga Centre for Yoga Studies und das Morarji Desai National Institute for Yoga. In der Metropole Mumbay an der Westküste findet man drei Schulen: The Yoga Institute, Kaivalyadhama Ashram und Iyengars Institut. Südlich davon liegt Goa: eine touristisch erschlossene Region, die häufig Indienanfängern empfohlen wird. Dort haben sich zahlreiche, teils von westlichen Lehrern geführte Yogaschulen angesiedelt, die sich vor allem an Touristen richten. „Yoga in India“ hat die Schulen Yoga Bones, Brahmani Yoga und Purple Valley Ashtanga Yoga Retreat ausgewählt. Auch die restlichen gut zehn Schulen findet man in Südindien: das Krishnamacharya Yoga Mandiram in Chennai an der Ostküste und südlich davon das International Centre for Yoga Education and Research. Etwas landeinwärts gelegen konzentrieren sich vier Schulen auf die Umgebung von Mysore: Swami Vivekananda Yoga Anusandhana Samasthana in Bangalore, Shri K Patthabi Jois Ashtanga Yoga Institute, Mysore Mandala und Atmavikasa Centre for Yogic Sciences. In Südindien liegen auch das Swami Suddhananda Ashram (hier stimmen die Internetadressen im Buch leider nicht mehr. Möglicherweise liegen die Gründe dafür in den jüngsten Vorwürfen, die man zu Swami Suddhanandas Umgang mit Frauen und Geld liest), der Isha Yoga Center und an der Südspitze am Meer das Sivananda Yoga Vedanta Dhanwantari Ashram.


Wechselatmung im Sivananda Yoga Vedanta Dhanwantari Ashram in Kerala/Südindien © Coni Hörler/Yoga in India

„Wir haben uns keine Zeit für die Verlagssuche genommen“, sagt Otto Stricker. Sie produzierten das Buch gleich vor Ort in Indien, ließen es dort auch gleich drucken und brachten es dann nach Deutschland (Otto: „Oh Mann, bis das geklappt hat!“). Eine ISBN-Nummer hat es jedoch („Auch das war viel Aufwand“) und ist deshalb im Internet über die großen Versandhändler erhätlich. Es liegt auch in wenigen Yogastudios aus. Falls das eigene nicht dazu gehört, empfehlen wir für den Kauf die Internetseite der Autoren. Wer Geld sparen will, kann es von dort auch als eBook für 7,50 Euro auf Kindle oder Rechner laden. Das Geldverdienen stand bei diesem Projekt eher im Hintergrund – wie das eben meist so ist mit Herzensangelegenheiten. Eine Herzensangelegenheit von Profis.

tis


Lebende Legende: Yogameister B.K.S. Iyengar
© Coni Hörler/Yoga in India

Preis: 
€19.90
Ausführung: 
Broschiert
Verlag: 
yoga.in
ISBN/ASIN: 
978-3-00-0362221-7

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