Buchempfehlung: Yoga und Buddhismus in Einem

Cyndi Lee, das ist Yoga, Buddhismus und New York. Ihr Studio Om Yoga gehörte zu den großen Adressen auf der Yogaweltkarte. Während sie in den USA gerade ihren neuen Titel „May I be happy“ vorstellt, ist hierzulande endlich die Übersetzung von „Yoga Mind Buddha Mind“ in den Läden. Yogalehrer Detlev Alexander stellt uns das ungewöhnliche Übungsbuch vor. 

„Die Antwort liegt nicht darin, die äußere Umgebung zu ändern, in der wir uns befinden, sondern darin, dass wir die innere Umgebung unseres Geistes verstehen. Es heißt, unser Geist sei wie das Wetter – wechselhaft, und wir können ihm nicht entkommen. Ganz gleich, wohin wir gehen und wie das Wetter draußen ist: Unser Geist bestimmt, ob wir uns stürmisch oder heiter, kalt oder warm, entspannt oder eingesperrt fühlen“ schreibt Cyndi Lee in ihrem Buch „Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“, das jetzt im Theseus-Verlag auf Deutsch erschienen ist.

Schon wieder ein Yogabuch!, könnte man sagen. Doch dieses Buch ist ganz anders. Wie der Titel schon andeutet, verbindet Cyndi Lee auf simple, direkte und humorvolle Art zwei Traditionen: Yoga und Buddhismus. Es ist diese Liason, die zum Schlüssel von mehr Stärke, Klarheit und Offenheit in Körper und Geist führen kann. Cyndi Lee beschreibt ihren persönlichen Weg, wie sie mit buddhistischen Lehren über Achtsamkeit und Mitgefühl in Kontakt gekommen ist, und wie sie begann, diese in ihr Unterrichten von Yoga zu integrieren. In elf Kapiteln legt sie die Om Yoga Methode dar. Om Yoga ist eine Praxis, bei der fliessende Asanas mit  einer präzisen Ausrichtung und der entspannten Wachheit der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation verbunden werden. Cyndi Lee praktiziert und lehrt seit Jahrzehnten sowohl Hatha-Yoga als auch tibetischen Buddhismus. Sie schreibt neben Büchern auch regelmässig Artikel für Yoga- und Buddhismus-Zeitschriften, gibt weltweit Kurse und bietet seit einigen Jahren auch Yogalehrer-Ausbildungen in Europa an.


Yogalehrerin und Buchautorin Cyndi Lee © OM yoga

In den ersten Kapiteln führt Cyndi Lee diese buddhistische Achtsamkeitsmeditation, auch bekannt als Shamatha, als Grundlage für die Yogapraxis ein. Es geht ihr darum, Körper, Empfindungen und Gefühle, so wie sie sind, wahrzunehmen. Dabei führt sie aus, dass es nicht darum geht, etwas an sich verändern zu müssen, sondern sich mit dem anzufreunden wie man eben ist. Es geht weder darum, sich zu verteufeln oder wegzuschmeissen, noch darum perfekt sein zu müssen. So wie wir sind, sind wir völlig in Ordnung. Wir sind grundlegend gut. Durch die Praxis des Sich-Selbst-Vertrauens, so schreibt Cyndi Lee, lässt sich Santosha (Zufriedenheit) entwickeln. So wird Yoga ein Weg von Freundlichkeit sich selbst gegenüber und weniger ein Weg von Ehrgeiz, Wettbewerb und Perfektionismus. Meist ist die Tendenz in Extreme zu gehen, Cyndi Lee aber schlägt einen Mittleren Weg vor. In einem Workshop sprach sie einmal davon, dass es im Yoga nicht darum geht, die Grenzen auszureizen, sondern eine persönliche Mitte von nicht zu fest und nicht zu locker zu finden. Diese Sichtweise ist für jede und jeden an jedem Tag anders. Genau darum geht es im Kapitel „Dynamisches Gleichgewicht“, in dem Balance-Übungen vorgestellt werden.

Im Kapitel „Ein Krieger sein“ beschreibt Cyndi Lee die drei unterschiedlichen Waffen einer friedvollen Kriegerin bzw. eines Kriegers. Diese sind Präzision, Sanftheit und Offenheit, die beispielsweise während einer Standhaltung wie Krieger Eins angewandt werden können. Die erste Waffe, Präzision, ermöglicht es der Kriegerin/dem Krieger die Endlos-Schleife des diskursiven Denkens zu durchschneiden: „Weshalb halten wir diese Stellung so lange“, „Warum redet die Lehrerin gerade jetzt so viel“, „Ich habe Lust auf ein Sandwich“. Damit Präzision aber nicht zur Peitsche wird, ist es wichtig, als nächstes Sanftheit und Freundlichkeit sich selbst gegenüber zu  kultivieren. Schliesslich empfiehlt Cyndi Lee nun Offenheit, die dritte Waffe, anzuwenden, um sich mutig allen Situationen gegenüber öffnen zu können. Mit diesen Werkzeugen werden quirlige und umherspringende Gedankenströme, sowie müde Muskeln und feste Hüften weniger zum Hindernis. Statt dessen werden Hindernisse zum Weg. In der Praxis wird dies mit dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Yogablöcken, Decken und Gurten umgesetzt. Anstelle sich mit Ächzen und Stöhnen zu verrenken, um an die Zehen zu gelangen, ist es beispielsweise empfehlenswert, einen Gurt einzusetzen. Auf diese Weise werden Hindernisse als kreativer Weg angesehen, die Hindernisse nicht loswerden zu wollen, sondern sie geradezu einzuladen.

Nach Meditation, Standhaltungen und Hüftöffnern, schafft Cyndi Lee im Kapitel über Rückbeugen den Bogen von der körperlichen zur emotionalen Bewegung, indem wir uns vergegenwärtigen, dass wir nicht nur für uns alleine praktizieren, sondern auch alle Menschen miteinbeziehen, das heißt alle Menschen die wir mögen, die wir nicht mögen und denen wir neutral gegenüber eingestellt sind. „Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“ vermittelt einem, dass es letztendlich darum geht, alle und alles miteinzubeziehen.

Das Übungsbuch wird durch viele Abbildungen ergänzt, welche es dem Anfänger wie auch dem Fortgeschrittenen ermöglichen, Präzision in den Yogahaltungen mit buddhistischer Weisheit zu verweben. Das ist ein Weg, um eine friedvolle Kriegerin/ein friedvoller Krieger mit einem erwachten Herzen zu werden.

Detlev Alexander

Preis: 
€19.95
Ausführung: 
Broschiert
Verlag: 
Theseus in J. Kamphausen
ISBN/ASIN: 
978-3899015447

Zum Thema

Om Yoga kündigte an, im Juni 2012 das Studio zu schließen. Cyndi unterrichtet weltweit Workshops und „at hOMe“ in New York.

Cyndi Lees bietet auch in Deutschland wieder ein Teacher Training an: Juni 2013, Berlin, Infos

Weitere Beiträge über und Interviews mit Cyndi Lee auf yogaservice.de

Zur Serie „Asana des Monats“ von Detlev Alexander

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