Buchempfehlung: Yoga als Lebensstil

Yoga ist mehr, als sich zu strecken, zu dehnen und tiefer zu atmen. Für engagierte Yogis ist diese Weisheitslehre auch ein Lebensstil; eine innere Haltung im Alltag, die sich auf bestimmte Prinzipien gründet. Bewährt haben sich die zehn Yamas und Niyamas aus dem antiken Yogasutra von Patanjali. Alexander Kobs übertrug sie in seinem neuen Buch in alltagstaugliche „Lebensempfehlungen“. Katrin Knauth hat das Handbuch für yogaservice.de gelesen.

Alexander Kobs kann schon fast als Urgestein gelten. Er begegnete dem Yoga Ende der Achtzigerjahre und verbrachte mehrere Jahre in Meditationszentren in den USA, Indien und Deutschland. Im Berufsverband der deutschen Yogalehrenden (BDY) schätzt man ihn unter anderem als Experten für die Reinigungstechniken (Kriyas) des Yoga. Nun floss sein reichhaltiger Erfahrungsschatz in Form vieler persönlicher Geschichten und Weisheiten in ein Buch mit dem selbsterklärenden Titel „Die zehn Lebensempfehlungen des Yoga“. Nach der Devise „ausprobieren, Erfahrungen sammeln, diese reflektieren und behutsam ins Leben integrieren“ hat Kobs durch intensives Selbststudium seinem eigenen Leben eine eigene Richtung gegeben.

Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, ist für Kobs das Herzstück der Yamas und Niyamas, die erste Stufe des Raja-Yoga und damit das Fundament der Yoga-Praxis. Auf Ahimsa bauen alle anderen Lebensempfehlungen von Wahrhaftig (Satya) bis zur Hingabe an Gott (Ishvara Pranidhana) auf. Frieden beginne zuallererst bei uns selbst. Man könne nicht anderen gewaltfrei gegenübertreten, wenn man sich selbst immer wieder innerlich verletze. Wie können wir Gewaltlosigkeit uns selbst gegenüber praktizieren? Wo fängt es an? Wo hört es auf? Kobs stellt Fragen, gibt Denkanstöße, lässt uns Raum zur Reflektion.

„Ich mag, wer ich bin und ich mag, was ich tue“, zitiert Kobs den Yogi Sri Tapasvi, den er auf der Maha Kumbha Mela getroffen hat. Mitgefühl und Freundlichkeit sich selbst und anderen gegenüber – dort sollte die Yogapraxis anfangen. Dazu brauche es viel Geduld und Übung. Keine der zehn Lebensempfehlungen lasse sich einfach so umsetzen, es sei viel mehr ein fortwährender Prozess von Selbstbeobachtung und –erkenntnis.

Beim Lesen hat man immer wieder Erleuchtungsmomente. Man fühlt sich von dem Autor liebevoll an die Hand genommen. Seine Tipps und Hinweise helfen, unser Verhalten zu durchdenken. Wenn ich wahrhaftig und ehrlich im Sinne von Satya sein will, wie verhalte ich mich in einem Gespräch, in dem die Zunge manchmal schneller ist als der Verstand? Der Autor gibt weniger Ratschläge (denn: „Ratschläge sind auch Schläge“), sondern stellt uns Fragen: Hat das Gesagte Substanz oder ist es eher überflüssig? Habe ich verletzende oder liebevolle Worte gesagt? Ist es ein günstiger Zeitpunkt, darüber zu sprechen? Natürlich können wir nicht immer die Wahrheit sagen, aber Satya, so Kobs, gebe uns das Werkzeug, die Zahl der großen und kleinen Lügen zu verringern.

Kobs „Lebensempfehlungen“ sind nicht die erste Auseinandersetzung mit den Yamas und Niyamas. Lange auf dem Markt und oft Pflichtlektüre in Yogalehrerausbildungen sind die Interpretationen der Yoga-Sutras von R. Sriram und T.K.V. Desikachar. Doch Kobs Buch ist anders. Es ist vor allem eins: alltagstauglich. Jedes einzelne ethische Prinzip wird aus dem Jahrtausende alten Sutra ins Heute übertragen: Was meint Annie Lennox dazu, dass ihre Songs ohne Erlaubnis aus dem Internet geladen werden (Asteya)? Wie wirkt sich unser Konsumverhalten auf den Planeten aus (Aparigraha)? Was bewirkt der Verzehr einer vollen Tüte Chips auf dem Sofa (Sauca)? Wie finden wir aus dem Hamsterrad der Wünsche hinein in ein zufriedeneres Leben (Santosha)?

Das Schöne an Kobs Buch ist, dass man es immer wieder lesen kann. Es ist handlich, übersichtlich, gut verständlich geschrieben. Es steckt voller Anregungen. Es liefert Antworten auf vielen Fragen. Es ist Inspiration für ein erfülltes, gesundes und glückliches Leben. Ein wunderbares Handbuch für Schüler und Lehrer.

Katrin Knauth

In eigener Sache:
Die Verlinkung einer Buchbesprechung mit Amazon ist technisch einfach und war deshalb für uns gut machbar. Jeder Klick unterstützte yogaservice.de mit ein paar Cents. Wir verbanden uns damit allerdings mit einem Unternehmen, dessen Kultur wir nicht teilen. Ein ständiger Interessenkonflikt! Nach den jüngsten Enthüllungen verzichten wir erstmal auf weitere Verlinkungen. Wir mögen weder Respektlosigkeit noch Angstkultur. Wir empfehlen deshalb den altmodischen und doch wieder hochmodernen Besuch Eures Lieblingsbuchhändlers. Daran verdienen wir zwar nichts. Aber der Kauf wird so zur Begegnung unter echten Menschen, vielleicht sogar mit kleinem Schwatz. Das hat sicher mehr mit Yoga zu tun als die Online-Bestellung bei einem Weltkonzern.

 

Preis: 
€14.95
Ausführung: 
Broschiert
Verlag: 
Windpferd
ISBN/ASIN: 
978-3864100277