Asana des Monats: Meditation als innere Haltung

Viele Menschen denken bei Meditation automatisch an Schneider- oder Lotussitz, Padmasana. Dabei kann sich die Meditation bei allen Körperhaltungen und Aktivitäten einstellen. „Meditation ist eine ganz normale Angelegenheit", schreibt Yogalehrer Detlev Alexander und erklärt die Haltungsübung für den Geist zu unserem Asana des Monats.

Im Yogasutra des Patanjali wird Yoga als ein Zustand beschrieben, bei dem die Schwankungen des Bewusstseins entschleunigt sind. Mit anderen Worten: Wir erfahren einen Zustand von dynamischer Stille. Doch in unserem Alltag erleben wir unseren Geist vielleicht eher wie ein Hamster, der sich ewig in seinem Hamsterrad dreht. Ein Selbstgespräch jagt das nächste. Eine Möglichkeit diesen Prozess zu unterbrechen, ist die Meditation.

Im Yoga kennen wir verschiedene Meditationen, dazu gehören die Konzentration auf einen Gegenstand – zum Beispiel auf eine Kerzenflamme oder auf eines der sechs Energiezentren –  wie auch die Konzentration auf ein Mantra. Eine weitere Meditation ist die Achtsamkeits-Gewahrseins-Meditation (Shamatha-Vipassana), welche von allen buddhistischen Traditionen gepflegt wird. Darüber hinausgehend ist Achtsamkeit und Gewahrsein allen Menschen verfügbar sowie ein ständiger Begleiter unseres Alltags.

Meditation ist eine ganz normale Angelegenheit. Es geht nicht um eine spezielle spirituelle, heilige oder höhere Art von Praxis. Es geht nicht um etwas von uns getrenntes. Die Achtsamkeits-Gewahrseinspraxis ist eine Methode, um Körper und Geist zu synchronisieren. Dabei entdecken wir Geisteszustände wie Langeweile, Wut, Freude oder Gelassenheit und lassen sie wie Wolken am Himmel vorüberziehen. In diesem Sinne entscheiden wir uns bewusst, dem gegenüber achtsam zu sein, was im Augenblick vor sich geht, ohne auszuwählen oder zu beurteilen. Wann immer wir dabei bemerken, dass der Geist abgewandert und in einer Art Fantasieland unterwegs ist, kehren wir zur Realität, zum jeweiligen Moment zurück. Durch das stetige Zurückkommen zähmen wir unseren wilden Geist und lernen so, in unserem natürlichen Zustand, unserem natürlichem Sein zu verweilen.

In der Meditation geht es darum zu erkennen, dass wir uns entspannen können und sein können, wer wir sind. Wir sehen, dass unsere Situation sehr kostbar und wertvoll ist.

Viel Glück!

 

Detlev Alexander