Asana des Monats: Binden und der mittlere Weg

Manche sagen, im Yoga gehe es um Ungebundenheit. Ganz so einfach ist das nicht. Hatha-Yoga arbeitet bewusst mit Bindungen, zum Beispiel in Übungen wie der gebundenen Winkelhaltung. Yogalehrer Detlef Alexander erklärt auf yogaservice.de Hintergrund und Nutzen von „baddha“.

Im Yoga greifen oder besser: „binden“ wir unsere Handgelenke oft in Yogahaltungen hinter dem Rücken oder unter den Beinen. Unsere Arme und Hände bilden eine Schlinge. Der Sanskritbegriff für Binden ist „baddha“, was so viel wie gebunden, gefangen oder zurückgehalten bedeutet. Wenn wir eine gebundene Haltung einnehmen, können wir dadurch den Brustkorb öffnen, die Brustmuskeln dehnen, die Wirbelsäule verlängern und unsere Organe beleben.

Eine gebundene Yogahaltung stellt eine ideale Gelegenheit dar, den „mittleren Weg“ zu praktizieren. Wenn wir beginnen, unsere Arme und Hände um unseren Körper zu schlingen, werden unterschiedliche, teils intensive Empfindungen und Gefühle auftauchen. Das Wahrnehmen dieser Gefühle ist ein Teil unserer Praxis, in der wir beobachten können, ob wir nach intensiven Erfahrungen streben oder ob uns einfach alles zu viel ist. Ein aggressives Ziehen, Drücken und Festhalten stellt einen Kampf dar, der im ungünstigen Fall zu einer Verletzung führt. Wenn wir dagegen nicht genügend Beharrlichkeit und Anstrengung nutzen, wird nicht viel passieren. Dann tendieren wir zum Vermeiden der Haltung und verpassen den vitalen Aspekt in unserer Praxis. Der „mittlere Weg“ bedeutet also, in der Mitte zu bleiben. Wir verweilen zwischen Aktivität und Passivität, zwischen Intention und Aktion, zwischen richtig und falsch, zwischen links und rechts. Im Yoga geht es um Gleichgewicht, um Balance.

Es wird gesagt, dass der Buddha einmal von einem Musiker gefragt wurde wie er denn meditieren solle. Der Buddha erwiderte „Wie stimmst Du Dein Instrument?“. Der Musiker antwortete „Nicht zu fest und nicht zu locker.“ Der Buddha sagte: „Genau so sollst Du meditieren“. Wenn wir diesen Ansatz in unseren gebundenen Yogahaltungen anwenden, erhalten wir eine gute Navigationshilfe, um Ausgewogenheit in unserer Praxis zu etablieren.

Viel Glück!

Detlev Alexander